Aus dem Leben Geesthachter Fledermäuse

Die auffälligste Fledermausart in Geesthacht ist der Große Abendsegler. Er ist bereits bei Sonnenuntergang, wenn es für Beobachtungen noch hell genug ist, hoch am Himmel beim Jagen von Insekten zu beobachten. Sein Lebensraum ist der Wald und Waldrand und Parks. Mit einem Gewicht von im Mittel 20 – 40 g und einer Spannweite von 30-40 cm gehört er zu den größten Arten in Europa. Mit schnellen Flügen mit Geschwindigkeiten bis zu 50 km/h jagt er Nachtfalter, Maikäfer und andere Fluginsekten. Vor allem seine Kontaktrufe, deren Frequenz bis zu 17 kHz niedrig sein können, sind von jüngeren Menschen noch hörbar.

Mitte Juni bis Anfang Juli bekommt das Weibchen meist 2 Junge, die sie in einer Baumhöhle oder in einem Fledermauskasten aufzieht. Nach 5-7 Wochen werden die Jungen selbständig. Die Wochenstuben werden oft von 20-50 Tieren gemeinsam bewohnt. Im Herbst unternehmen viele Tiere weite Wanderungen zu den Winterquartieren. Je nach Witterung beginnt der Winterschlaf im Oktober oder November und dauert bis März / April. In den Überwinterungshöhlen und Spalten bilden die Tiere dichte Trauben, um möglichst wenig Energie zu verlieren. Ihre Körpertemperatur kann kurzzeitig sogar bis 0 Grad C absinken. Der Große Abensegler kann bis zu 12 Jahre alt werden. In strengen Wintern erfrieren allerdings viele Tiere.

Auf dem Bild ruht der Große Abendsegler an einem Kiefernstamm.

Wenn Sie den großen Abendsegler beim Beutefang einmal hören möchten, dann können Sie sich hier die Rufe als wav Datei laden und abspielen (Datei 39 k, Quelle: www.batcon.org).

Eine weitere häufige Art in Geesthacht ist die Breitflügelfledermaus. Sie ist ebenfalls recht groß (im Mittel 15-30 g und 31-38 cm Spannweite). Ihre Jagdzeit beginnt in der frühen Abenddämmerung. Sie fliegt in 6-10 m Höhe in großen Kurven über Gärten, am Waldrand und auch um Straßenlaternen. Die Weibchen bekommen Ende Juni meist nur 1 Junges, das bereits nach 5 Wochen selbständig wird. Wanderungen sind bei der Breitflügelfledermaus selten beobachtet worden. In den Überwinterungsbunkern des NABU in Geesthacht ist sie die häufigste Art. Ihre Sommerquartiere und Wochenstuben sucht sie vor allem in Hausdächern, selten in Fledermauskästen.

Auf dem Bild ist eine Breitflügelfledermaus zu sehen, die in einem vom NABU Geesthacht hergerichteten Bunker überwintert.



Das Große Mausohr wurde erst vor wenigen Jahren in Geesthacht in einem Fledermauskasten des NABU entdeckt. In Schleswig-Holstein ist es sehr selten und findet hier als Wärme liebende Art seine nördliche Verbreitungsgrenze. Es ist akut vom Aussterben bedroht. Den Jagdflug beginnt es erst bei Dunkelheit, in Parks, über Wiesen und auch im Ort selbst. Es jagt auch zu Fuß am Boden und erbeutet dann Laufkäfer, Spinnen und Heuschrecken. Mit 28-40 g und einer Spannweite von 35-43 cm ist es etwa so groß wie der Gr. Abendsegler. Die Jungen werden meist in Gruppen von mehreren Müttern groß gezogen. Mit etwa 40 Tagen werden sie im Juli selbständig. Bei kalter Witterung ist allerdings die Sterblichkeit sehr hoch. Dann kann leicht die Hälfte des Jahrgangs umkommen.

Auf dem Bild ist eine Gruppe des Großen Mausohr zu sehen, die in einem Fledermauskasten des NABU Geesthacht im Grünhofer Wald ruht.

Unsere kleinste Fledermausart in Geesthacht ist die Zwergfledermaus. Sie wiegt nur 4-8 g und hat eine Spannweite von 18-24 cm. Sie kommt noch recht häufig vor und ist in fast ganz Europa verbreitet. Sie ist eine ausgesprochene Hausfledermaus und benötigt oft nur kleine Spalten in Dächern für ihre Wochenstuben und als Tagquartier. Es werden meist 2 winzige Jungen geboren, die bei der Geburt nur etwas über 1 g wiegen. Bereits mit 3-4 Wochen können sie fliegen. Der Jagdflug beginnt häufig bereits vor Sonnenuntergang. Sie jagt an Waldrändern, über Teichen, in Gärten und um Laternen und fängt dabei kleine Nachtfalter, Mücken und andere Fluginsekten.

Auf den Fotos ist eine Zwergfledermaus in der Hand des Fledermausexperten Herbert Bahr zu sehen. Sie hatte sich in einem Gebäude verirrt.

Angaben z.T. aus Schober, H & E. Grimmberger: Die Fledermäuse Europas, Kosmos Naturführer, 1987, Fotos: Herbert Bahr und Roland Doerffer

NABU Geesthacht, R. Doerffer, 18. Aug. 2000

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