Aus dem Leben der Mutter Fledermaus

Im Sommer beanspruchen die Männchen ein Quartier für sich allein. Wenn der Hochzeitstermin naht, markieren sie ihren Eingang zum Quar­tier mit intensiv riechenden Duftstoffen (das Sekret wird in den Duftdrüsen der Mundwin­kel entwickelt).

Die Männchen haben einen jährlichen Sexualzyklus, der nicht synchron mit dem der Weibchen verläuft. Die Männchen sind im Herbst paarungsbereit. Die meisten geschlechtsreifen Weibchen paaren sich zwar zum Herbst, sind aber nicht befruchtbar. Sie bewahren das Sperma in ihren Geschlechts-organen auf. Es bleibt über mehrere Monate lebensfähig. Erst nach dem Erwachen aus dem Winterschlaf reift die weibliche Eizelle und wird befruchtet.

Die Tragzeit beträgt 6-8 Wochen. Die Tragzeit wird von der Witterung beeinflusst. Bei kühlem Wetter dauert sie entsprechend länger, weil die trächtigen Weibchen weniger Insekten erbeutet können und zusätzlich Energie sparen, indem sie ihre Körpertempe­ratur am Tage absenken.

Die Weibchen richten Wochenstuben ein. Die Geburtsphase findet Ende Mai bis Mitte Juli statt. Während der Geburt können die Mütter verschiedene Stel­lung einnehmen,häu­fig hängt das Muttertier mit dem Kopf. nach oben, das Neugeborene gleitet in die hochgewölbte Schwanzflughaut der Mutter. Die Jungen kommen nackt, blind und mit einem gut ent­wickelten Milchgebiss mit sehr spitzen Zähnen (Klammergebiss) zur Welt. Es beginnt sofort hörbar zu rufen und sucht nach den beiden Milchzitzen, die in der Achselgegend der Mutter im Fell verborgen sind. Das Junge wiegt etwa ein Fünftel der Mutter. Auffallend bei den Neugeborenen sind im Gegensatz zu den Flügeln die gut ausgebildeten Füße.

Fledermausjunge müssen schon in der ersten Nacht nach ihrer Geburt allein im Quartier bleiben, während die Mutter zur Jagd ausfliegt. Die kleinen Flügel wachsen innerhalb von 3-4 Wochen zu flugtüchtiger Größe heran. Innerhalb der Mutter-Kindbeziehung produzieren die Kleinen niederfrequente, für uns hörbare Verlassenheitslaute, an denen sie von den Müttern erkannt werden. Die Ansammlung vieler Weibchen in einem Sommerquartier ist bei anhaltend kühlem Wetter von großem Vorteil. Wenn sie in solchen Perioden eng aneinander rücken, wärmen sie sich und ihre Jungen gegenseitig und können kritische Tage überstehen.

Ausreichend versorgt wachsen die Jungen schnell heran. Nach 3-10 Tagen öffnen sich die Augen, in der ersten Woche entwickelt sich das Haarkleid und ab dem 10. Tag bricht das bleibende Gebiss durch. Im Wochenstubenquartier werden die Jungen ausschließlich mit Muttermilch versorgt. Nach 3-5 Wochen werden sie erstmals fliegen. Nach dem Flüggewerden wird die Mutter vor allem ge­braucht, um mangelnden Jagderfolg durch Milch ersetzen zu können.

Trotz aller Fürsorge ist die Sterblichkeit junger Fledermäuse recht hoch. Man schätzt, dass nur 30-40 % der Jungen das zweite Lebensjahr erreichen. Dass bei einer so gerin­gen Jungenzahl pro Weibchen und bei einer derartig hohen Jungensterblichkeit die Arterhaltung gewährleistet ist, hängt wohl damit zusammen, dass Fledermäuse kaum natürliche Feinde haben, und dass die Weibchen im ersten oder zweiten Le­bensjahr geschlechtsreif werden. Die geringe. Reproduktionsrate gleichen Fle­dermäuse durch ein relativ hohes Durchschnittsalter von 5-7 Jahren aus.

Später als die Mütter, die schon zu den Paarungsquartieren der Männchen unterwegs sind, verlassen die Jungtiere die Wochenstu­ben. Trotz geringer Jagderfahrung müssen sie versuchen, sich für den kommenden Winter genügend Körperfett anzufressen.



NABU Geesthacht, R. Doerffer, 18. Aug. 2000
Quelle: Infoblatt des NABU Hamburg
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