Mehlschwalben

Mehlschwalben sind Weitstreckenzieher, also Zugvögel, die in der Zeit von April bis Oktober im Brutgebiet anzutreffen sind. Den Winter verbringen die Vögel in Afrika. In Deutschland gehen Schätzungen von einem Mehlschwalben- Bestand von 700.000 bis 1.400 000 Brutpaaren aus, großräumige Beurteilungen sind jedoch wenig zuverlässig.

Die Nahrung der Mehlschwalbe besteht aus kleinen Fluginsekten, wie z. B. Mücken, Blattläuse, Fliegen, Käfer, Schmetterlinge und Wasserinsekten, die sie ausschließlich im Flug erbeutet. Das Beutespektrum ist abhängig von dem Brutgebiet und kann sehr stark variieren.

Ursprünglich hat die Mehlschwalbe ihre Nester an möglichst senkrechten, vegetationsfreien Felsen gebaut. Allerdings weicht sie mittlerweile gleichermaßen in die Städte und Dörfer aus. Als Brutstätten bevorzugt die Mehlschwalbe große, freistehende und mehrstöckige Einzelgebäude (Nestbau an der Außenseite der Dachunterkante oder anderen Nischen), in Neubaugebieten (Balkone), Industriegebiete, technische Anlagen, Brücken, Talsperren, Schleusen, Fußgängerüberwegen oder sogar auf Fähren (Rügen). Bestehende Kolonien werden oft über Jahre hinweg als Nistplätze beibehalten. Der Neststandort befindet sich in der Regel in der Nähe von Gewässern oder wird von der Bodenbeschaffenheit beeinflusst.

In Europa bilden Mehlschwalben Kolonien mit bis zu 200 Brutpaaren, es sind also recht gesellige Vögel.

Probleme ergeben sich für die Mehlschwalbe aufgrund von menschlichen Einflüssen. Durch die zunehmende Versiegelung des Flächen, die mit der Verstädterung der Dörfer zusammenhängt, findet die Mehlschwalbe kaum noch feuchte Plätze, an denen sie Material für ihren Nestbau sammeln kann. Wegen der Verschmutzung mit Kot wird der Schwalbe die Neubesiedlung von Gebäuden verwehrt, indem die Nester zerstört werden.

Das Anbringen von Nisthilfen und Kunstnestern stellt für die Schwalben eine große Überlebenshilfe dar.


Mehlschwalbenkolonien in Geesthacht und Umgebung 2000

Nach längeren Bemühungen konnte erreicht werden, dass an der Polizeistation Geesthacht Schmutzfangbretter angebracht werden konnten, um die Verschmutzungen durch die Schwalben zu reduzieren. Für die Finanzierung konnte erstmals die „BINGO- Umweltlotterie“ des Landes Schleswig- Holstein gewonnen werden. Außerdem beteiligte sich das Umweltamt der Stadt Geesthacht und die Ortsgruppe des NABU an den Kosten.

Die Schmutzfangbretter am Postgebäude wiesen nach der der Installation vor zwei Jahren erhebliche Schwalbenkotverschmutzungen auf. Die Annahme, dass diese Verunreinigungen sich durch Witterungseinflüsse (Hitze, Kälte, Feuchtigkeit, Trockenheit, etc.) selbst auflösen würden, trat nicht ein. Die Freiwillige Feuerwehr war so nett, mit einer Drehleiter zu helfen, so dass die Verschmutzungen beseitigt werden konnten.


Polizeistation Geesthacht, installierte Schmutzfangbretter


Polizeistation Geesthacht,
installierte Schwalbenschmutzfangbretter (2000)



Probleme ergaben sich durch eine Kolonie am Pastor- Natus- Ring.

Circa 20 Brutpaare hatten dort ihre Nester gebaut. Der Eigentümer des Gebäudes hatte während der beginnenden Brutzeit eine Firma damit beauftragt, Kunststoffvorhänge anzubringen, um die Schwalben am Brüten zu hindern.

Nach Einschaltung des Umweltamtes der Stadt Geesthacht, der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises und eines initiierten Artikels in der „bz“ wurden die Vorhänge wieder abgebaut, so dass die Schwalben weiter brüten konnten.

Am Seniorenheim „Marschacht“ wurden die Mehlschwalben gastfreundlich behandelt. 30 Paare konnten ungehindert brüten.

In der Zeit von Mitte bis Ende Juni hatten wir eine Kaltluftperiode. Während dieser Zeit verhungerten bzw. starben an Unterkühlung innerhalb von drei Tagen ca. 80 junge Mehlschwalben am Postgebäude und zwölf junge Mehlschwalben an der Polizeistation. Das sind ungewöhnlich hohe Verluste.

Bei der Mehlschwalbenkolonie an dem Gebäude der Deutschen Post World Net in Geesthacht handelt es sich mit ca. 100 Brutpaaren um eine der größten Mehlschwalbenkolonien des Landes Schleswig- Holstein.

Zusammengestellt nach Informationen von Gerd Förster (NABU Geesthacht) von Julia Schwienheer, Nov. 2001.